Die therapeutische Wohngruppe in Zahlen und Fakten

Für wen

Kinder und Jugendliche von etwa 5 bis 18 Jahren mit Traumafolgen, Bindungsstörungen oder psychischen Belastungen, die keine Klinik brauchen.

Rahmen

Höchstens 8 Plätze pro Gruppe, eigener Rückzugsraum, feste Bezugspersonen, Betreuung rund um die Uhr, auch nachts.

Rechtsgrundlage

Heimerziehung nach § 34 SGB VIII, bei seelischer Behinderung auch Eingliederungshilfe nach § 35a. Betriebserlaubnis nach § 45 SGB VIII.

Therapie

Eigener psychologischer Fachdienst im Alltag, dazu niedergelassene Psychotherapeuten und die Kinder- und Jugendpsychiatrie am Josefinum Kempten.

Aufnahme

Über das Jugendamt: aus dem Allgäu, aus ganz Bayern, bundesweit und aus Österreich. Antwort auf Anfragen in der Regel innerhalb von 24 Stunden an Werktagen.

Standort

Kempten im Allgäu. kids24 arbeitet seit 2014 in der stationären Kinder- und Jugendhilfe.

Was therapeutische Betreuung bei kids24 bedeutet

Unsere therapeutische Wohngruppe richtet sich an Kinder und Jugendliche, deren Entwicklung durch traumatische Erlebnisse, psychische Belastungen oder schwierige Bindungserfahrungen beeinträchtigt ist. Wir verbinden pädagogische Alltagsbegleitung mit gezielter therapeutischer Unterstützung. Der Alltag selbst ist dabei schon Teil der Hilfe, nicht nur die Therapiestunde.

Traumasensibler Alltag

Alle Fachkräfte sind in traumapädagogischen Grundlagen geschult. Ein strukturierter Alltag gibt Sicherheit und Verlässlichkeit, und beides braucht es, damit Entwicklung möglich wird.

Feste Bezugspersonen

Jedes Kind hat ein festes Team und eine Bezugsperson. Diese verlässliche Bindung ist der Kern unseres Ansatzes und ermöglicht echte Entwicklungsschritte.

Fachdienst und Therapie

Unser psychologischer Fachdienst ist im Gruppenalltag präsent. Ergänzend kooperieren wir mit niedergelassenen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendpsychiatrie, abgestimmt mit dem pädagogischen Team.

Traumapädagogik im Alltag: so arbeitet eine Traumawohngruppe

Viele Kinder, die zu uns kommen, haben erlebt, dass Erwachsene nicht verlässlich waren. Ihr Verhalten ist oft eine Überlebensstrategie: Rückzug, Wut oder ständige Wachsamkeit hatten einmal einen guten Grund. Traumasensibel arbeiten heißt deshalb: Wir verstehen schwieriges Verhalten als Folge belastender Erfahrungen und nicht als Böswilligkeit. Im Alltag wird das an fünf Punkten sichtbar.

1

Ein sicherer Ort

Klare Abläufe, feste Zeiten und ein eigener Rückzugsraum. Wer weiß, was als Nächstes passiert, muss nicht ständig auf der Hut sein.

2

Transparenz statt Überraschungen

Wir kündigen Veränderungen an und erklären Entscheidungen, von neuen Mitbewohnern bis zu Terminen beim Jugendamt.

3

Beziehung, die hält

Auch nach einem Konflikt bleibt die Bezugsperson da. Gerade diese Erfahrung ist für Kinder mit Bindungsabbrüchen oft neu und heilsam.

4

Selbstwirksamkeit und Beteiligung

Kinder entscheiden mit, bei Regeln, im Alltag und im Hilfeplan. Wer erlebt, dass die eigene Stimme zählt, gewinnt Kontrolle über das eigene Leben zurück. Mehr dazu: Partizipation in der Jugendhilfe.

5

Gefühle regulieren lernen

Gemeinsam üben wir, Anspannung früh zu erkennen und herunterzuregulieren: mit Bewegung, Ruheinseln und klaren Absprachen für Krisenmomente.

Wie ein Tag in der therapeutischen Wohngruppe aussieht

Der Tagesablauf ist bewusst gleichbleibend. Die Wiederholung gibt Halt, gerade in den ersten Wochen.

Morgens und vormittags

Wecken, gemeinsames Frühstück und der Weg zur Schule, zum Förderzentrum oder in die Ausbildung. Wir halten engen Kontakt zu den Schulen und begleiten Übergänge. Bei Bedarf organisieren wir Schulbegleitung oder Lernhilfe.

Nachmittags

Mittagessen, feste Hausaufgabenzeit, dann Therapietermine, Einzelgespräche mit der Bezugsperson oder Freizeit. Wandern, Schwimmen, Radfahren und im Winter Schlitten oder Ski: Das Allgäu liegt direkt vor der Tür.

Abends

Frisch gekochtes Abendessen, Gruppenzeit und ruhige Abendrituale. Regeln und gemeinsame Vorhaben besprechen wir in der Gruppe, denn Beteiligung gehört zum Alltag.

Nachts

Auch nachts ist immer eine Fachkraft im Haus. Gerade traumatisierte Kinder haben oft Angst in der Nacht. Niemand ist dann allein.

Wie sich der Alltag anfühlt, zeigen unsere Einblicke in den Wohngruppen-Alltag.

Für welche Kinder und Jugendlichen ist das Angebot geeignet?

Aufnahmeprofil

Die therapeutische Wohngruppe ist geeignet für Kinder und Jugendliche von etwa 5 bis 18 Jahren mit:

  • Traumatisierungen (z. B. Vernachlässigung, Gewalt, Verlust, Flucht)
  • Bindungs- und Beziehungsstörungen
  • psychischen Auffälligkeiten, die keine stationäre Psychiatrie erfordern
  • gescheiterten Vorgängerhilfen ohne therapeutischen Schwerpunkt
  • erhöhtem Betreuungsbedarf im Alltag
  • Anschlussbedarf nach einem Klinikaufenthalt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie

Wann wir nicht der richtige Ort sind

Damit eine Hilfe trägt, muss der Rahmen passen. Nicht aufnehmen können wir in der Regel bei:

  • schwerer geistiger oder körperlicher Behinderung
  • festgestellter Suchterkrankung
  • schwerer Delinquenz bzw. akuter Gewaltbereitschaft
  • akuter Selbst- oder Fremdgefährdung, die eine Klinik erfordert

Die Passung prüfen wir immer im Einzelfall mit dem Jugendamt.

Therapeutische Wohngruppe, Regelgruppe oder Klinik?

Jugendämter und Eltern stehen oft vor der Frage, welcher Rahmen der richtige ist. Die Unterschiede in Kürze:

Regelgruppe

Stationäre Wohngruppe mit verlässlichem Alltag für Jugendliche, die vor allem Struktur und Gemeinschaft brauchen und keinen therapeutischen Intensivbedarf haben. Bei kids24: Innenbetreutes Wohnen.

Therapeutische Wohngruppe

Kleinerer Rahmen, Schlüssel über dem Mindeststandard, traumapädagogischer Alltag und fest eingebundene Therapie. Für Kinder, bei denen Alltagshilfe allein nicht reicht.

Kinder- und Jugendpsychiatrie

Medizinische Behandlung in akuten Krisen, zeitlich begrenzt. Eine therapeutische Wohngruppe ersetzt keine Klinik, sie ist aber oft der richtige nächste Schritt danach.

Unsere Qualitätsstandards

01

Hoher Betreuungsschlüssel

Der Schlüssel liegt über dem Mindeststandard und ist in der Leistungs- und Entgeltvereinbarung festgelegt. So sind Kinder auch in schwierigen Momenten verlässlich begleitet.

02

Regelmäßige Supervision

Das gesamte Team nimmt regelmäßig an Einzel- und Teamsupervision teil. Das sichert professionelles Handeln und schützt die Fachkräfte.

03

Enge Jugendamtskooperation

Wir berichten transparent, laden zu Fallkonferenzen ein und reagieren kurzfristig auf veränderte Bedarfe, partnerschaftlich und auf Augenhöhe.

04

Schutzkonzept

Ethikstatut gegen Übergriffe, Partizipationskonzept und feste Beschwerdewege. Beides liegt der Heimaufsicht und dem Jugendamt vor. Details: Schutzkonzept.

Was heißt intensivpädagogisch bei kids24?

Jugendämter nutzen den Begriff, wenn Alltagshilfe nicht reicht: traumatische Vorerfahrungen, gescheiterte Vorgängerhilfen, hoher Betreuungsbedarf. Intensiv heißt nicht Isolation und nicht Psychiatrie, sondern ein kleiner Rahmen mit höherem Schlüssel und verlässlicher Präsenz rund um die Uhr.

Bei kids24 ist das kein zweites Haus. Es ist das Profil dieser therapeutischen Wohngruppe in Kempten: 24/7-Dienst, traumasensibler Alltag, enge Anbindung an Therapie und Jugendamt.

Auch wer nach einer therapeutischen Wohngruppe im Allgäu sucht, landet bei diesem einen Angebot in Kempten. Aufnahmen sind regional, bundesweit und aus dem benachbarten Ausland möglich. Bei therapeutischem Bedarf zählt die Fachlichkeit oft mehr als die kürzeste Entfernung. Überblick über die Region: Jugendhilfe Allgäu.

So kommt ein Kind in die therapeutische Wohngruppe

1

Anfrage durch das Jugendamt

Das Jugendamt schickt ein Anfrageprofil mit vorhandenen Berichten und Diagnostik, per Platzanfrage, an leitung@kids24.de oder telefonisch.

2

Passung prüfen

Wir prüfen Bedarf, Gruppe und freien Platz und melden uns in der Regel innerhalb von 24 Stunden an Werktagen, in Eilfällen schneller.

3

Kennenlernen und Aufnahmetermin

Nach der Zusage vereinbaren wir direkt einen Aufnahmetermin. Ein Probewohnen gibt es nicht. Ein Kennenlernen vorab ist nach Absprache möglich.

4

Hilfeplan und Begleitung

Im Hilfeplangespräch legen Jugendamt, Familie, Kind und kids24 Ziele und Dauer fest. Die Ziele überprüfen wir regelmäßig.

Alle Details: Aufnahme und Ablauf · Informationen für Jugendämter

Therapeutische Wohngruppe: häufige Fragen

Was ist eine therapeutische Wohngruppe?
+
Eine stationäre Wohngruppe der Jugendhilfe, in der pädagogischer Alltag und therapeutische Unterstützung fest zusammengehören. Sie ist für Kinder und Jugendliche gedacht, die wegen Traumafolgen, Bindungsstörungen oder psychischer Belastungen mehr brauchen als eine Regelgruppe, aber keine Klinik.
Ist das dasselbe wie eine Traumawohngruppe?
+
Im Kern ja. Traumawohngruppe beschreibt eine Wohngruppe, die nach traumapädagogischen Grundsätzen arbeitet. Unsere therapeutische Wohngruppe in Kempten tut genau das: sicherer Ort, feste Bezugspersonen und ein Team, das schwieriges Verhalten als Folge belastender Erfahrungen versteht.
Wie alt sind die Kinder und Jugendlichen?
+
Wir nehmen Kinder und Jugendliche von etwa 5 bis 18 Jahren auf. Mit 18 endet die Hilfe nicht zwingend: Hilfen für junge Volljährige nach § 41 SGB VIII sind möglich, zum Beispiel im betreuten Wohnen.
Gibt es einen 24/7-Dienst?
+
Ja. Die therapeutische Wohngruppe ist rund um die Uhr mit Fachkräften besetzt, auch nachts. Krisen und Nachtzeiten gehören zum stationären Auftrag, nicht nur die Bürozeiten.
Bekommt jedes Kind Psychotherapie?
+
Wenn es sie braucht, ja. Unser psychologischer Fachdienst ist im Alltag präsent. Ergänzend kooperieren wir mit niedergelassenen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendpsychiatrie, unter anderem am Josefinum in Kempten. Therapie und Pädagogik werden miteinander abgestimmt.
Ist das eine intensivpädagogische Wohngruppe?
+
Fachlich ja: höherer Schlüssel, kleiner Rahmen, therapeutische Anbindung. kids24 führt kein zweites Haus unter dem Namen Intensiv-WG. Intensivpädagogisch beschreibt hier das Profil dieser therapeutischen Wohngruppe.
Wie lange bleibt ein Kind in der Wohngruppe?
+
Das hängt von Bedarf und Zielen ab und wird im Hilfeplan mit dem Jugendamt festgelegt und regelmäßig überprüft. Mögliche Ziele sind die Rückkehr in die Familie, der Wechsel in eine weniger intensive Hilfe oder die Verselbstständigung.
Wie werden Eltern einbezogen?
+
Eltern haben eine feste Ansprechperson, werden zu Hilfeplangesprächen eingeladen und regelmäßig informiert. Besuche, Telefonate und Heimfahrten werden im Hilfeplan vereinbart. Nach Absprache gibt es auch aufsuchende Elternarbeit oder Familientherapie.
Wer trägt die Kosten?
+
Die Kosten trägt das zuständige Jugendamt. Das Entgelt ist in einer Leistungs- und Entgeltvereinbarung nach SGB VIII geregelt. Eltern zahlen nicht den Tagessatz. Ob ein einkommensabhängiger Kostenbeitrag anfällt, entscheidet das Jugendamt.
Können Jugendämter von außerhalb Bayerns belegen?
+
Ja. Der Standort ist Kempten, Belegungen kommen von Jugendämtern aus dem Allgäu, aus ganz Bayern, bundesweit und aus Österreich. Hilfeplangespräche sind auf Wunsch auch per Video möglich.

Aufnahme aus anderen Bundesländern und aus Österreich

In die therapeutische Wohngruppe nehmen wir Kinder und Jugendliche aus ganz Deutschland und aus Österreich auf. Manchmal ist der Abstand zum bisherigen Umfeld sogar gewollt: weg von dem, was belastet, hin zu einem ruhigen, klar strukturierten Alltag.

Vor dem Einzug lernen wir das Kind und Sie bei einem Vorstellungstermin in Kempten kennen. Hilfeplangespräche finden in der Regel bei uns statt, Heimfahrten und Besuche planen wir gemeinsam mit Ihnen und den Eltern. Wie Anfrage, Unterlagen und Kostenzusage für Jugendämter von außerhalb ablaufen, steht bei der Platzanfrage.

Jetzt per WhatsApp bewerben! Wir antworten schnell